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Altkanarier

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Mit Altkanarier (spanisch antiguos canarios) oder Urkanarier werden in der deutschsprachigen wissenschaftlichen Literatur die Bevölkerungen bezeichnet, die vor der europäischen Eroberung im 15. Jahrhundert auf den Kanarischen Inseln lebten. Sie kamen vermutlich in mehreren Wellen zwischen dem 5. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr. aus dem Umkreis der Straße von Gibraltar. Nach dem 4. Jahrhundert n. Chr. lebten die Altkanarier bis in das 14. Jahrhundert in etwa steinzeitlichen Verhältnissen ohne Kontakt zur Außenwelt, abgeschieden auf den einzelnen Inseln. Nach der Eroberung der Kanarischen Inseln im Auftrag der Könige von Kastilien am Ende des 15. Jahrhunderts führten Maßnahmen der Eroberer dazu, dass die Altkanarier am Ende des 16. Jahrhunderts nicht mehr als ethnische Gruppen existierten. Die Chronik Le Canarien aus dem 15. Jh. gilt als die wichtigste zeitgenössische Quelle für Informationen über ihre Lebensweise.

Bezeichnungen der Ureinwohner der Kanarischen Inseln

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Die voreuropäischen Gesellschaften der Kanarischen Inseln bildeten trotz der räumlichen Nähe der sieben Inseln keine einheitliche Gruppe, die es erlauben würde, ihre vergangenen Kulturen gemeinsam zu erklären.[1]

In der Vergangenheit wurde die Bezeichnung Guanchen häufig für die Ureinwohner aller Inseln der kanarischen Inselgruppe verwendet.[2] Heute wird diese Bezeichnung in der Ethnologie und der Geschichtswissenschaft ausschließlich für die Urbewohner der Insel Teneriffa verwendet. Die Sammelbezeichnung Guanchen für die Ureinwohner der Gesamtheit der Kanarischen Inseln wird den bedeutenden kulturellen Unterschieden, die zwischen den Bevölkerungen der einzelnen Inseln bestanden, nicht gerecht.[3]

Die zur Zeit des Franquismus geprägte Bezeichnung Prehispánicos für die vor dem Jahr 1400 auf den Inseln lebende Bevölkerung wird heute vielfach abgelehnt. Er unterstellt, dass es in Spanien nur eine einzige, in allen Teilen gleiche „spanische“ Kultur gibt. Eine Unterstellung, die in der Zeit zwischen 1937 und 1975 zur Unterdrückung aller regional abweichenden Kulturerscheinungen auf der Iberischen Halbinsel führte. Darüber hinaus waren die Einflüsse anderer europäischer Kulturen nach der Eingliederung der Inseln in die Reiche der Krone von Kastilien von großer Bedeutung.[4]

Die Bezeichnung vorspanische Bevölkerungen der Kanarischen Inseln (Bevölkerungen in der Mehrzahl, spanisch Poblaciones prehispánicas de las Islas Canarias) wird weiterhin in Spanien in den Gesetzen zum Schutz des kulturellen Erbes verwendet. Im Artikel 27 Absatz 4 des Autonomiestatutes der Kanaren von 2018 wird das ethnographische und archäologische Erbe der vorspanischen Eingeborenen (spanisch legado etnográfico y arqueológico de los aborígenes prehispánicos) als schützenswertes Kulturgut genannt. Die Bezeichnung Ureinwohner (spanisch indígena) hat einen beschreibend-objektiven Charakter und ist etymologisch der angemessenste und am wenigsten diskriminierende Ausdruck, um die ersten Bewohner der Kanarischen Inseln zu bezeichnen.[5]

Die Namen der Ureinwohner der Kanarischen Inseln

Die ersten Bewohner der Insel Lanzarote werden als Majos oder Mahos bezeichnet, die der Insel Fuerteventura Majoreros oder wie die Bewohner der Insel Lanzarote auch Mahos, die der Insel Gran Canaria Canarios oder Canariotes, die der Insel Teneriffa Guanchen, die der Insel La Gomera Gomeros, die der Insel La Palma Benahoaritas oder Auaritas und die der Insel El Hierro Bimbaches oder Bimbapes.[6]

Erste Besiedlung der Kanarischen Inseln

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Siehe auch: Geschichte der Kanarischen Inseln, Abschnitt Erste Besiedlung der Kanarischen Inseln

Über die Herkunft der Altkanarier, aber auch über die Art und Weise, wie sie auf die Inseln gelangt sind, gibt es viele Spekulationen und Vermutungen. Aufgrund der Funde, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts bei archäologischen Ausgrabungen auf der Insel Lanzarote gemacht wurden,[7] wird heute die Hypothese vertreten, dass die ersten Berührungen der Phönizier mit den bis dahin unbesiedelten Kanarischen Inseln, vermutlich mit der Gründung eines Stützpunktes auf diesen Inseln, etwa zur gleichen Zeit wie die Gründung von Lixus und Gades (etwa 1000 v. Chr.) stattfanden.[8] Zu Beginn konnten sich die Siedlungen nicht selbst unterhalten, sondern waren von regelmäßigen Kontakten mit dem Mittelmeergebiet abhängig.

Mit der Ausdehnung Karthagos und der Gründung von Kolonien an der Atlantikküste scheint das Interesse an den Kanarischen Inseln zugenommen zu haben. Der Reisebericht Hannos des Seefahrers aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. beschreibt die Gründungen von phönizisch-punischen Siedlungen an der Westküste Afrikas.[9] Die Gründung von Kolonien auf den Kanarischen Inseln war für die Phönizier aus mehreren Gründen interessant: Sie bildeten sichere Stützpunkte für den Handel mit Afrika. Auf den Inseln gab es Orseille und Drachenblut zur Herstellung von Farbstoffen. Die fischreichen Gewässer und die guten Möglichkeiten der Salzgewinnung boten beste Voraussetzungen für die Herstellung von Garum. Es gab Fett und Ambra verschiedener Meeressäugetiere, die damals in der Gegend noch häufig vorkamen.[10] Die Einrichtung von Niederlassungen auf den außerordentlich fruchtbaren Inseln mit Trinkwasser und Tälern, die für die Landwirtschaft geeignet waren, garantierte den Händlern und Seefahrern Sicherheit und das entsprechende Angebot an Dienstleistungen.

Die Ansiedlung begann offenbar auf Lanzarote, der östlichsten Insel. Die genaue Herkunft der angesiedelten Bevölkerung ist nicht geklärt. Sie kam mit Sicherheit aus dem unter der Herrschaft Karthagos stehenden Bereich um die Straße von Gibraltar. Die Besiedlung war keine einmalige Aktion, sondern ein kontinuierlicher Vorgang, der sich am Ende auf alle Inseln erstreckte. Vermutlich war die Herkunft der Siedler nicht einheitlich. Das ist eine Begründung für die bei ethnologischen und genetischen Vergleichen von archäologischen Funden festgestellten Unterschiede der Zusammensetzung der Bevölkerung der Inseln.[11]

Der Fund einer Purpurwerkstatt auf der Insel Lobos deutet auf enge Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Kanarischen Inseln und römischen bzw. den römisch beherrschten Gebieten Afrikas während des 1. Jahrhunderts v. Chr. und im 1. Jahrhundert n. Chr. hin. Diese Einbeziehung in den mittelmeerischen Wirtschaftsraum endete mit der Reichskrise des 3. Jahrhunderts.[12]

Der Kontakt der Inseln mit Europa, aber auch untereinander war nicht mehr möglich, weil die Inselbewohner keine nautischen Kenntnisse hatten und auch keine Werkzeuge besaßen, um seegängige Schiffe zu bauen. In der Folgezeit, bis etwa ins 14. Jahrhundert, gerieten die Kanarischen Inseln in Europa in Vergessenheit. Auf den einzelnen Inseln entwickelten sich von der gemeinsamen Ausgangslage eigenständige Kulturen, die sich in Sprache, künstlerischen Ausdrucksformen, Religion und Sozialordnung unterschieden.

Aussehen und Bekleidung

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Ureinwohner der Insel Gran Canaria dargestellt Ende des 16. Jahrhunderts durch Leonardo Torriani

Das Aussehen und die Bekleidung der Altkanarier wird in verschiedenen Berichten ab dem 14. Jahrhundert beschrieben. Auch archäologische Funde geben Aufschluss darüber. Man geht heute davon aus, dass die Altkanarier dunkle Haare hatten und nur wenige blond waren. Blaue Augen kamen vor, waren aber nicht die Regel. Mit einer Körpergröße von etwa 1,70 m waren die Altkanarier größer als die durchschnittlichen Kastilier des 15. Jahrhunderts. Nur die Gomeros waren offenbar kleiner.

Die Bekleidung unterschied sich von Insel zu Insel erheblich. Generell wurde sie aus Ziegen- und Schaffellen hergestellt. Die Felle wurden auch zu weichem Leder gegerbt. Die Teile wurden mit getrockneten Sehnen und Darm oder Lederstreifen zusammengefügt. Dabei wurden Ahlen aus Knochen verwendet. Die tamarcos (Fellmäntel), die toneletes (kurze Röcke) und die anderen Kleidungsstücke waren auf Gran Canaria in verschiedenen Farben gefärbt, die aus Blumen und Kräutern gewonnen wurden. Die Canarios trugen auch kurze Röcke aus Palmblättern und dekorierten die Körper mit eingefärbten Stempeln.[13] Da die Schafe der Altkanarier keine Wolle hatten, war Bekleidung aus Wolle unbekannt. Bei der Beschreibung der Bekleidung ist auffällig, dass mit der Zunahme der Kontakte zwischen den Ureinwohnern und den Europäern die von letzteren beschriebene Menge der Bekleidung zunimmt: von nahezu nackt bei Niccoloso da Recco im 14. Jahrhundert und im Le Canarien zu Beginn des 15. Jahrhunderts zu teilweise mehreren Lagen Fellen bei Torriani am Ende des 16. Jahrhunderts.[14]

Die Sprachen der Altkanarier werden unter dem Begriff Guanche zusammengefasst. Durch den fehlenden Kontakt der Altkanarier untereinander entwickelten sich bei den Bevölkerungen der Inseln in der Zeit der Abgeschiedenheit unterschiedliche Sprachen.[15] Die Sprachen unterschieden sich so stark, dass zu Beginn der Eroberung die Übersetzer einer Insel nicht in der Lage waren, die Sprache der Bevölkerung der anderen Inseln zu verstehen. Historische Darstellungen, in denen behauptet wird, dass die Sprachen gleich seien, sind nach Ansicht der Historiker darauf zurückzuführen, dass die Berichtenden nicht zwei Sprecher gegenüberstellten, sondern die Gleichheit nur auf jeder Insel getrennt nach der Ähnlichkeit des Klangs beurteilten. Vergleiche von überlieferten Resten der Sprachen der Altkanarier zeigen Ähnlichkeiten mit den heute noch von den Berbervölkern Nordafrikas verwendeten Sprachen.[16]

Krankheiten und Verletzungen

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Die schriftlichen ethnohistorischen Quellen enthalten keine Informationen über die Krankheiten der kanarischen Ethnien während ihrer Abgeschiedenheit. Das anthropologische Material ist nicht ausreichend, um sichere Aussagen über den Stand der Gesundheit der Bevölkerung während dieser Zeit zu geben und die Auswirkungen der Epidemien zu beurteilen, die seit der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zum Ende des 15. Jahrhunderts eingeschleppt wurden. Nur für die Inseln Gran Canaria und Teneriffa können anhand gesicherter dokumentarischer und archäologischer Informationen Angaben über das Vorkommen bestimmter Krankheiten gemacht werden.[17]

Wenn man den Gesundheitszustand der Kanarischen Mumien, die auf Teneriffa gefunden wurden, als repräsentativ für alle Guanchen ansieht, litten sie unter Karies, Osteoporose, Sinusitis, Rheuma, Arthritis, Tumoren, Deformationen der Wirbelsäule und wahrscheinlich Typhus.[18] Histologische Untersuchungen verschiedener Mumien aus Teneriffa zeigten, dass sie an Atherosklerose litten.[19] Vieles deutet darauf hin, dass viele Guanchen an Magen-Darm-Infektionen gestorben sind. Eine weitere Todesursache scheinen Ablagerungen von Kohlenstoff in der Lunge gewesen zu sein, die in direktem Zusammenhang mit dem Einatmen des Rauchs in den Wohnhöhlen standen. Beim Verzehr von Gofio, das mehr oder weniger feine Steinreste der Handmühlen enthielt, schliffen sich die Zähne der Altkanarier stark ab. Untersuchungen an verschiedenen Gruppen von Schädeln auf der Insel Teneriffa zeigten, dass sie zu 20 % irgendwelche Verletzungen aufwiesen. Auffällig daran ist, dass diese Verletzungen zu etwa 90 % überlebt wurden. In der Zeit nach den ersten Kontakten mit den Europäern brachen auf den Inseln Gran Canaria und Teneriffa Epidemien aus, denen große Teile der Bevölkerung zum Opfer fielen.[20] Auf den Inseln Teneriffa, La Palma und La Gomera wurden Schädel von männlichen Erwachsenen gefunden, die Spuren einer Trepanation aufweisen, die offenbar überlebt wurde. Die Werkzeuge, die dazu verwendet wurden, waren Steinsplitter aus Basalt. Der Außendurchmesser der Bohrlöcher betrug 1,25 bis 2,30 cm. Ob diese Eingriffe eine magische Bedeutung hatten oder therapeutische Maßnahmen waren, ist nicht zu klären.[21]

Die Aufteilung der Herrschaft über die Gebiete der einzelnen Inseln sowie die Struktur der Gesellschaft der Altkanarier sind nur aus Berichten europäischer Chronisten bekannt. Diese bieten eine Beschreibung der Zustände erst ab dem Beginn des 15. Jahrhunderts. Die davorliegenden 1.000 Jahre der Abgeschiedenheit der einzelnen Inseln von ihrer Umwelt können durch archäologische Forschungen nur in sehr geringem Maß erklärt werden. Zur Zeit der Eroberung gab es auf der Insel La Palma zwölf getrennte Herrschaftsgebiete, auf Teneriffa neun, auf La Gomera vier, auf Gran Canaria und Fuerteventura je zwei. Die Inseln Lanzarote und El Hierro waren nicht unterteilt. Dabei waren die Herrschaftsgebiete nicht unbedingt verfeindet. Ein Zusammenwirken gegen äußere Feinde, Heiraten über die Herrschaftsgrenzen hinaus oder das gemeinsame Feiern von Festen sind in verschiedenen Fällen überliefert. Die Herrschaftsgebiete werden auf Teneriffa als Menceyatos und auf Gran Canaria als Guanartematos bezeichnet. In den Chroniken der europäischen Besucher der Inseln ist meist die Rede von Stämmen, Parteien oder Königreichen.[22]

Die Komplexe künstlicher Wohnhöhlen in Gran Canaria oder Hütten von großen Ausmaßen, wie sie bei Ausgrabungen auf La Gomera gefunden wurden, deuten darauf hin, dass die Großfamilie bei den Altkanariern eine Bedeutung hatte. In den prähistorischen Kulturen der Kanarischen Inseln war die Praxis der Exogamie über Herrschaftsgrenzen hinaus allgemein üblich. Das führte dazu, dass es Bündnisse zwischen den Gruppen gab, womit die zwischengebietliche Solidarität der Stämme gesichert wurde. Auf La Gomera war die soziale Endogamie untersagt. Die Männer eines Stammes heirateten grundsätzlich die Frauen eines anderen Stammes.[23] Trotz verschiedener Berichte von einzelnen Inseln scheint die Polygamie nur in einzelnen Fällen oder zu bestimmten Zeiten vorgekommen zu sein. Von Lanzarote und Gran Canaria gibt es Berichte über Polyandrie.[24] Gleichzeitige Hinweise auf Neonatizid[25] von Mädchen deuten darauf hin, dass dies eine Maßnahme zur Verringerung des Bevölkerungswachstums war.

Auf den stark bevölkerten Inseln Gran Canaria und Teneriffa scheint ein gegliedertes Sozialsystem bestanden zu haben. Es wird berichtet, dass die Guanartemes und die Menceyes nur Angehörige der eigenen Familien heirateten. Von Gran Canaria sind Geschwisterhochzeiten zwischen adeligen Personen bekannt.[26]

Die schriftlichen Überlieferungen über die Religionen der Altkanarier erstrecken sich über die Zeit von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Sie sind sehr stark dadurch geprägt, dass die Autoren, in den meisten Fällen Angehörige des katholischen Klerus, die Informationen aus kirchlicher Sicht interpretierten.[27] Archäologische Funde, bei denen ein Zusammenhang mit den religiösen Vorstellungen der Altkanarier angenommen wird, lassen auf erhebliche Unterschiede zwischen den Vorstellungen der Bewohner der verschiedenen Inseln schließen.

Kosmogonie und Kosmologie

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Die ältesten schriftlichen Aussagen über den Glauben zur Entstehung und Entwicklung der Welt der Altkanarier finden sich in der Bulle Ad hoc semper des Papstes Urban V. aus dem Jahr 1369. In diesem Dokument wird festgestellt, dass die Bewohner dieser Inseln Anbeter der Sonne und des Mondes seien. Die Chroniken der portugiesischen und italienischen Reisenden aus der Mitte und am Ende des 15. Jahrhunderts weisen auf einen Sternenkult der Altkanarier hin.[28]

Es sind verschiedene Namen überliefert, mit denen die jeweils obersten Gottheiten bei den Altkanariern benannt wurden: „Achaman“ bei den Guanchen von Teneriffa, „Acoran“ bei den Canarios auf Gran Canaria, „Abora“ bei den Benahoaritas von La Palma, „Orahan“ bei den Gomeros und „Eraoranzan“ und „Moneiba“ bei den Bimbaches von El Hierro. Es wird davon ausgegangen, dass dies nicht nur unterschiedliche Namen für ein und dieselbe Erscheinung der Gottheiten waren, sondern dass die Ureinwohner der verschiedenen Inseln mit den Namen auch sehr unterschiedliche Vorstellungen verbanden.[29]

In den kanarischen Kulturen war die Sonne als weibliche Gottheit zuständig für die Schöpfung, das Leben, die Fruchtbarkeit der Weiden und die Ernten.[30] Die Stellung des Mondes in der Hierarchie der Gottheiten der Altkanarier ist nicht genau bekannt. Über einen Mondkult auf den Inseln gibt es nur wenige Informationen.[31] Der Mond spielte als Himmelskörper bei der Bestimmung des Jahreskreislaufes neben der Sonne eine bedeutende Rolle bei der Voraussage für die Naturabläufe. Durch die Beobachtung des Mondes war es z. B. den Benahoaritas möglich eine Wettervorhersage zu erstellen.[32]

Einige Steinsetzungen und Petroglyphen an Fundstellen wie z. B. auf Gran Canaria, am Roque del Bentaiga (Tejeda) und Cuatro Puertas (Telde) sowie auf Lanzarote in der Zona Arqueológica de Zonzamas und auf Fuerteventura am Tablero de los Majos (Jandía) werden als astronomische Markierungen angesehen, mit denen der Beginn der Tagundnachtgleiche festgestellt wurde.[33] In Gran Canaria gibt es darüber hinaus Orte wie die sogenannte Höhle der Sterne (Cueva de las Estrellas), eine künstliche Höhle in Artenara, die Teil eines gemeinsamen Kornspeichers war und bei der in einem der Räume viele weiße Punkte an die Decke angemalt sind, was als Darstellung von Sternen interpretiert wird.

Auf verschiedenen Inseln wurden Petroglyphen gefunden, deren Darstellungen als Hinweise auf Sonnen-, Mond- und Sternenkulte interpretiert werden. Archäologische Funde von Sternmotiven, die in Keramikgefäße eingeritzt sind, erlauben eine Gegenüberstellung mit den schriftlichen Überlieferungen. In ihnen zeigt sich die Bedeutung des Glaubens an die Sterne bei der Bevölkerung der Kanarischen Inseln. Die ethnohistorischen Quellen enthalten Hinweise darauf, dass auf allen Inseln an besonderen Tagen des Jahres Feste im Rahmen des Sonnenkultes gefeiert wurden.[34]