Billboard-Charts

Die Billboard-Charts sind teils regelmäßig, teils unregelmäßig erscheinende Musikcharts, die von der US-amerikanischen Entertainment-Marke Billboard ausgewertet werden. Wöchentlich erscheinen unter anderem die Kategorien Billboard 200 sowie die Billboard Hot 100, die die wichtigsten Album- und Singlecharts der Vereinigten Staaten darstellen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Chartlisten, die je nach Musikstil und Vertriebsform aufgeschlüsselt werden.
Geschichte und Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Billboard-Magazin wurde erstmals am 1. November 1894 in Cincinnati, Ohio veröffentlicht.[1][2] Nachdem der Fokus zu Beginn noch auf der Werbe- und Plakatierungsbranche lag und sich später auf Unterhaltungsbereiche wie Messen, Karneval und Zirkusse fokussierte,[3][4] wurde Ende des 19. Jahrhunderts erstmals über die „Wunder der modernen Technologie“ berichtet. Hier fanden Berichte über Phonographen, Plattenspieler und drahtlose Radios platz.[2]
Nachdem sich Jukeboxen während der Weltwirtschaftskrise wie ein Lauffeuer verbreiteten, schenkte das Magazin diesem Thema zunehmend mehr Aufmerksamkeit, bis es am 4. Januar 1936 seine erste Musikhitparade veröffentlichte.[5] In den 1940er Jahren wurde der Jukebox eine eigene Chart-Rubrik gewidmet.[6][7] Das Magazin entwickelte sich zu jener Zeit mit großen Schritten zu einer Fachzeitschrift.[4] Aufgrund der wachsenden Vielfalt an Musikinteressen und -genres stieg die Anzahl der veröffentlichten Chartlisten nach dem Zweiten Weltkrieg auf bis zu 28.[8]
Seit 2007 wertet Billboard zudem die Canadian Hot 100 für Kanada aus. Durch die Expansion des Unternehmens in weitere Länder folgten auch weitere internationale Charts. Unter anderem zeichnet die Marke für die Erhebung von Singlecharts in Argentinien, China und Mexiko verantwortlich.
Auswertungsmethode
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für viele Jahre musste ein Song im Handel als Single erhältlich sein, um für die Charts zugelassen zu werden. Zu dieser Zeit erfasste Billboard seine Daten durch Berichte, die von den Sendern und Läden ausgefüllt wurden. 1990 waren die Country-Singlecharts die ersten, die ein System namens Nielsen Soundscan einsetzten, gefolgt von den Top 100 und den R&B-Singlecharts 1991.
Nielsen Soundscan ist ein System, das den Verkauf einer Single registriert, wenn diese durch eine soundscanfähige Kasse gescannt wird. Billboard benutzt außerdem eine Technik namens Broadcast Data Systems (BDS), ein Tochterunternehmen von Billboard, um Radioausstrahlungen zu erfassen. Im Prinzip hat jeder Song eine Art Fingerabdruck. Wenn er von einem Sender mit BDS-Vertrag gespielt wird, so wird dies registriert. Diese Registrierungen werden jede Woche bei allen Radiosendern addiert, um „Sendepunkte“ festzulegen.
Zur Auswertung der Charts werden jeweils angepasste Formeln verwendet. Dabei wird zwischen den Vertriebsformen, Läden, Radiosendern und ähnlichem unterschieden. Jede Genre-Abteilung bei Billboard wird von Chart-Managern geleitet, die diese Auswahl festlegen. Manchmal gelten dabei Bedingungen für eine Abteilung, die für eine andere nicht gilt. Das bekannteste Beispiel dafür ist Madonnas Lied Into the Groove. In den USA war es nur als B-Seite der Single Angel erhältlich – zu dieser Zeit war das für die Manager der Top-100-Charts nicht akzeptabel. Also wurde der Song trotz intensiver Ausstrahlung nicht für die Top-100 zugelassen. Dagegen stellten die R&B-Singlecharts diese Anforderungen nicht, also erschien Into The Groove dort und auch in den „HotDanceMusic/Club Play“-Charts platzierte es sich auf Platz eins.
Ein weiteres Beispiel: Infolge ihrer Parteinahme 2003 gegen den US-amerikanischen Präsidenten George W. Bush (Irakkrieg) wurden Madonnas Singles American Life, Hollywood, Nothing Fails und Love Profusion von den republikanisch geführten Radiostationen boykottiert. Obwohl sie sich gut verkauften (Billboard Sales Charts: 2, 4, 1, 4) und in den Club Charts gut liefen (Billboard Club Charts: 1, 1, 1, 1), wurden sie nicht oder nur schlecht in den wichtigen „Billboard Hot 100“-Charts geführt (37, -, -, -), da sich diese zum größten Teil am Airplay orientieren.
Vor September 1995 war es einer Single gestattet, in der ersten Verkaufswoche in die Charts einzusteigen, ausschließlich basierend auf den BDS-Punkten. Dieses Verfahren wurde zu Gunsten eines Systems geändert, das den Einstieg erst nach einer kompletten Verkaufswoche gestattete. Dies ermöglichte vielen Songs einen Einstieg von „0 auf 1“. Im Dezember 1998 wurde das System weiter modifiziert, um Songs zuzulassen, die ausschließlich im Fernsehen oder Radio ausgestrahlt, jedoch nicht als Single käuflich zu erwerben waren. Dieser Wechsel sollte den sich verändernden Realitäten im Musikgeschäft Rechnung tragen. Bis dahin waren viele wichtige MTV- oder Radiohits nicht in den Charts aufgetaucht, da sich die Musikindustrie dazu entschlossen hatte, keine Single zu veröffentlichen, in der Hoffnung dadurch die Albumverkäufe anzukurbeln. Vor den 1990er Jahren wäre so ein Verfahren undenkbar gewesen. Unter den vielen Songs, die vor 1999 dieser Barriere zum Opfer fielen, befinden sich Nirvanas