Zum Inhalt springen

Elementargeist

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Der 1903 eingeweihte Undine-Brunnen im Kurpark Baden. Der Bildhauer Josef Valentin Kassin ließ sich von Friedrich de la Motte Fouqués Kunstmärchen Undine (1811) inspirieren, einer der bekanntesten literarischen Verarbeitungen des Elementargeistermotivs.

Als Elementargeist, Elementarwesen oder Elemental[1] wird ein Geistwesen bezeichnet, das in einem der vier Elemente leben bzw. wirken soll. Die Begriffe „Elementargeist“, „Naturgeist“ und „Naturdämon“ werden häufig synonym gebraucht.[2][3] Die Vorstellung von Elementargeistern stammt ursprünglich aus dem spätantiken Neuplatonismus und wurde von frühneuzeitlichen Naturphilosophen wieder aufgegriffen. Besonders die Elementargeisterlehre des Paracelsus erreichte große Popularität und hatte Einfluss auf spätere literarische Werke, insbesondere der Romantik.

Elementargeister sind Gestalten der Naturphilosophie und der Literatur, in Volksglauben und Volkserzählungen kommen sie nicht vor. Dennoch wird der Begriff in der Volkskunde zuweilen als Sammelbezeichnung für Wesen benutzt, die als mit den Elementen verbunden gelten, etwa für Wassergeister wie Nixen und Najaden.[4]

Elementargeister spielen auch in verschiedenen Formen von Neuheidentum und moderner Esoterik eine Rolle, etwa in der Anthroposophie.

Elementargeister in der Philosophie

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Epinomis, einem griechischen Werk aus dem 4. Jh. v. Chr., wird der Kosmos den Elementen entsprechend in Sphären eingeteilt, in denen verschiedene Wesen leben sollten. Von oben nach unten sind dies Feuer (Götter), Äther (Daimones), Luft und Wasser (Halbgötter) sowie Erde (Menschen, Tiere, Pflanzen).[5] Die eigentliche Idee der Elementargeister wurde schließlich in der Spätantike durch Iamblichos von Chalkis entworfen und durch Proklos weiterentwickelt. Diese Neuplatoniker gingen davon aus, dass es über den Stoffdämonen, die in Tieren und Pflanzen leben, auch Elementardämonen gebe, die sich in Elementen wie Feuer, Wasser, Erde und Luft aufhalten.[6] Die stoicheia, vor denen Paulus im Galaterbrief warnt, werden teilweise als „Elementargeister“ übersetzt.[7]

Johannes Trithemius versuchte in seinem Buch von den acht Fragen (Liber octo questionum, 1515), die Elementargeisterlehre mit der mittelalterlich-christlichen Dämonologie zu verbinden. Er entwirft eine Systematik, in der die gefallenen Engel beim Höllensturz in den verschiedenen Elementen hängenbleiben, und unterscheidet entsprechend sechs Geschlechter der „bösen Geister“: Igneum, Aerum, irdische Teufel, Aquaticum, Subterraneum und Lucifugium.[8] Bei Agrippa von Nettesheim ist die humanistische Entdämonisierung der Elementargeister schon weit fortgeschritten. In seinem Werk De occulta philosophia (1531) unterscheidet er die vier Klassen der Feuer-, Wasser-, Luft- und Erdgeister. Als Herrscher über die Elemente und ihre Geister verortet er die vier Engel