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Modern Talking

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Modern Talking
Modern Talking (2003)

Modern Talking (2003)

Allgemeine Informationen
Herkunft Deutschland
Genre(s) Euro Disco
Aktive Jahre 1983–1987; 1998–2003
Auflösung
Website
Gründungsmitglieder
Dieter Bohlen
Thomas Anders

Modern Talking war ein deutsches Popmusik-Duo, bestehend aus Thomas Anders und Dieter Bohlen. Der Musikstil war durch eingängige Melodien und Rhythmen mit Texten in englischer Sprache geprägt. Die Gruppe verkaufte alleine in ihrer Heimat über 5,7 Millionen Tonträger und gehört somit zu den Interpreten mit den meisten verkauften Tonträgern in Deutschland. International verkauften sie bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2003 insgesamt rund 120 Millionen Tonträger.[1]

Modern Talking – You’re My Heart, You’re My Soul

Im Jahr 1983 trafen sich der Musikproduzent Dieter Bohlen und der Schlagersänger Thomas Anders zum ersten Mal. Bohlen produzierte und schrieb für Anders deutsche Schlagersongs, die nicht erfolgreich waren. Ein zweiter Anlauf, in der Hoffnung auf eine englischsprachige Karriere, sollte durch die gemeinsame Gründung eines Duos unternommen werden. Bohlen stellte das Vorhaben der Plattenfirma BMG im Herbst 1984 vor. Diese stimmte zwar zu, investierte aber nur wenig Geld in das Projekt.[2] Auffällig war das Auftreten des Duos in den 1980ern. Anders trug weite, bunte Anzüge, hatte schwarze, lockige, schulterlange Haare und trug rosafarbenen Lipgloss. Bohlen hatte eine für die damalige Zeit typische Vokuhila-Frisur und trug auch Trainingsanzüge.

Als Debüt-Single veröffentlichte Modern Talking im Oktober 1984 den Song You’re My Heart, You’re My Soul. Am 28. Januar 1985 erreichte er die Top 10 der deutschen Single-Charts, stieg zum sechswöchigen Nr.-1-Hit auf und hielt sich insgesamt 15 Wochen unter den ersten zehn Platzierungen.[3] You’re My Heart, You’re My Soul wurde nicht nur ein nationaler, sondern auch ein internationaler Hit. Zum Erfolg trug auch das Musikvideo bei, das von Mike Leckebusch in seiner Villa in Garlstedt, einem Ortsteil von Osterholz-Scharmbeck bei Bremen, gedreht wurde, und dessen Ausstrahlung in der Sendung Formel Eins. Das im Frühjahr 1985 erschienene erste Album The 1st Album war ähnlich erfolgreich wie auch die Single-Auskopplung You Can Win If You Want sowie Cheri, Cheri Lady, die erste und einzige Auskopplung aus dem im Herbst desselben Jahres herausgebrachten Album Let’s Talk About Love.

Im Frühjahr 1986 folgte das dritte Album Ready for Romance, aus dem die Songs Brother Louie und Atlantis Is Calling (S.O.S. for Love) als Single ausgekoppelt wurden. Wie auch die vorherigen Singles erreichten diese beiden Platz eins der Charts in Deutschland. Nach der Ankündigung von Glasnost Anfang 1986 war Modern Talking die erste westliche Band, die ihre Alben offiziell in der Sowjetunion verkaufen durfte. Im Herbst 1986 erschien das Album In the Middle of Nowhere. Es enthielt den Song Geronimo’s Cadillac, der Platz drei der deutschen Charts erreichte. Die zweite Auskopplung Give Me Peace on Earth erreichte die Top 30.

Die im Juni 1987 erschienene LP Romantic Warriors konnte die Top 10 der deutschen Album-Charts erreichen, und auch die einzige Single-Auskopplung Jet Airliner erreichte die Top 10 in Deutschland. Das Ende 1987 veröffentlichte Album In the Garden of Venus erreichte Platz 35 in den Album-Charts, die Single-Auskopplung In 100 Years … erreichte mit Platz 30 ebenfalls die Top 40 der deutschen Charts. Das Label Dino brachte einige Monate nach der Trennung in Lizenz ein „Best-of“-Album heraus, das es bis in die Top 20 der LP-Charts schaffte.

Insgesamt verkaufte Modern Talking in den 1980er-Jahren ca. 60 Millionen Tonträger,[4] bevor die Band sich aufgrund interner Streitigkeiten auflöste. Aus Bohlens Sicht liegt die Schuld an der Trennung bei Anders’ damaliger Frau Nora Balling, die sich stark in die Angelegenheiten der Band eingemischt habe. Bohlen zufolge verbot sie ihrem Mann bestimmte Auftritte und veränderte die Videodrehs und Konzerte nach ihren Vorstellungen.[5]

Die Plattenfirma Sony BMG wollte seit dem Ende von Modern Talking immer eine „Best-of“-Platte veröffentlichen. Dieter Bohlen war jahrelang dagegen und schlug so 1997 vor, statt eines Best-of-Albums ein völlig neues Album aufzunehmen und Modern Talking wiederzubeleben. Er nahm Kontakt mit Thomas Anders auf und dieser willigte ein, nachdem André Selleneit, der mit Bohlen befreundete damalige Geschäftsführer der Ariola (später BMG Berlin),[6] schon wenige Jahre vorher Thomas Anders für ein eventuelles Comeback unter Vertrag genommen hatte.[7]

Dieter Bohlen (2006)
Thomas Anders (2007)

So kam das Duo Anfang 1998, also fast elf Jahre nach der Trennung, ein zweites Mal zusammen. Modern Talking veröffentlichte sowohl Remixes älterer Songs als auch neue Lieder, mit denen sie sich in den Hitparaden platzieren konnte. Ihr Album Back for Good landete an der Spitze der deutschen Charts und die neue Version von You’re My Heart, You’re My Soul erreichte Platz 2. Bei den ersten sechs Songs arbeiteten Anders und Bohlen mit dem Rapper Eric Singleton zusammen, der in den Instrumentalparts dieser Songs rappte. Nach dem Comeback wurden die Videoclips, Konzerte und Auftritte entsprechend dem Zeitgeist und den gewachsenen technischen Möglichkeiten deutlich anspruchsvoller produziert. Gereift trugen Anders und Bohlen in den Videoclips nun meistens dunkle Maßanzüge. Im Februar 1999 veröffentlichten sie das Album Alone, das ausschließlich neue Songs enthielt. Als Singles wurden You Are Not Alone und Sexy Sexy Lover ausgekoppelt. Beide konnten sich in den Top 20 der Charts platzieren.

Weil 2000 das Jahr des Drachen im chinesischen Kalender war, nannte Dieter Bohlen das neunte Album von Modern Talking 2000 – Year of the Dragon. Passend dazu hieß die erste Single-Auskopplung China in Her Eyes, die auch die Top 10 der Charts erreichte. Die zweite Auskopplung Don’t Take Away My Heart erreichte die Top-50 der Charts. Im Frühjahr 2001 erschien America, das zehnte Album von Modern Talking. Die erste Single-Auskopplung wurde in der folgenden Formel-1-Saison als Hintergrundmusik verwendet und trug den Titel Win the Race; sie kam bis auf den fünften Platz der Charts. Die zweite Auskopplung Last Exit to Brooklyn erreichte Platz 37. Im Frühjahr 2002 erschien Victory, das mit der Single Ready for the Victory eine zweite Hintergrundmusik für die Formel 1 enthielt. Für die zweite Single Juliet ließ sich Bohlen von der Disco-Musik der 1970er inspirieren. Anfang 2003 veröffentlichte das Duo die Single TV Makes the Superstar vom Album Universe.

Im Juni 2003, vor Veröffentlichung eines weiteren Best-of-Albums, trennte sich Modern Talking erneut. In diesem Jahr hatte Thomas Anders ohne Bohlens Wissen mit fast allen Bandmitgliedern von Modern Talking ein Konzert in den USA gegeben, was für Bohlen „das wahre Ende von Modern Talking“ gewesen sei.