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Moschustiere

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Moschustiere

Sibirisches Moschustier (Moschus moschiferus)

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
ohne Rang: Stirnwaffenträger (Pecora)
Familie: Moschustiere
Gattung: Moschustiere
Wissenschaftlicher Name der Familie
Moschidae
J. E. Gray, 1821
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Moschus
Linnaeus, 1758

Moschustiere (Moschidae) sind eine mit den Hornträgern (Bovidae), also mit Antilopen, Ziegenartigen und Rindern, verwandte Familie der Paarhufer.[1] Ursprünglich nahm man an, dass sie mit den Hirschen verwandt seien: In älterer Literatur wurden sie oft als Moschushirsche bezeichnet und als ursprüngliche Unterfamilie der Hirsche angesehen. Abweichend von den Hirschen weisen sie eine Gallenblase auf und das Euter der Weibchen hat lediglich zwei statt vier Zitzen. Neben der namensgebenden Moschusdrüse und einer weiteren Schwanzdrüse haben die Moschustiere verlängerte obere Eckzähne, jedoch fehlen Gesichtsdrüsen und Geweihe.[2]

Moschustiere leben vorwiegend in bewaldeten und alpinen Buschhabitaten in den Bergen Südasiens, insbesondere im Himalaya. In Europa gab es die ersten Vorkommen im Oligozän; heute sind sie dort jedoch ausgestorben.

Chinesisches Moschustier (Moschus berezovskii)
Schädel

Alle Moschustiere sind einander so ähnlich, dass sie gelegentlich auch als eine einzige Art angesehen werden. Ihre Kopf-Rumpf-Länge beträgt 70 bis 100 Zentimeter, die Schulterhöhe 50 bis 80 Zentimeter, das Gewicht 10 Kilogramm und der Schwanz ist zwischen 1,8 und sechs Zentimeter lang.[2] Die Hinterläufe sind bei allen Arten stark ausgebildet, die Rückenlinie ist nach vorne abfallend, weil die Hüfte höher steht als der Widerrist. Die Fellfarbe ist überwiegend dunkelbraun, variiert aber auch innerhalb der Arten. Moschustiere weisen am Kinn, seitlich der Kehle und an der Innenseite der Läufe weiße Flecken auf. Die Ohren sind im Verhältnis zur Körper- und Kopfgröße lang. Moschustiere haben, anders als Hirsche, kein Geweih. Auffällig ist, dass die oberen Eckzähne des Männchens zu großen Hauern verlängert sind, die eine Länge von sieben Zentimetern erreichen können. Bei den Weibchen sind die Eckzähne gleichfalls verlängert, allerdings ragen diese nicht über die Lippen hinaus.

Die namensgebende Moschusdrüse besitzt ebenfalls nur das Männchen. Sie liegt vor den Geschlechtsteilen der Moschustiere und gibt eine bräunliche, stark riechende Substanz ab. Dieses Sekret spielt insbesondere in der Brunft eine Rolle, da das Männchen damit sein Revier markiert.[3] Daneben können Moschustiere auch aus einer Schwanzdrüse eine Flüssigkeit absondern, die gelblich ist und einen starken Fäulnisgeruch hat.

Lautäußerungen sind von Moschustieren nur selten zu vernehmen. Aufgeschreckte Moschustiere geben jedoch einen Laut von sich, der an das menschliche Niesgeräusch erinnert.[3]

Die Verbreitungsgebiete der verschiedenen Moschustierarten

Moschustiere sind Tiere des Gebirges. Eine Art lebt im Himalaya, die anderen in verschiedenen Gebirgen und Höhenzügen Koreas, Chinas, Sibiriens, Kasachstans und der Mongolei (z. B. im Altaigebirge). Die bevorzugte Höhe liegt bei 2.500 bis 4.800 Metern, einige Formen kommen auch im Tiefland um 500 Meter vor.[4] Die Tiere verbergen sich in dichten Bergwäldern. Im Himalaya liegt die Baumgrenze bei 4.400 Metern.

Moschustiere sind nachts aktiv und fressen Gräser und Moose, im Winter auch Zweige und Flechten.

Außerhalb der Paarungszeit sind Moschustiere strikte Einzelgänger. Sie verteidigen ein Revier, das einen Durchmesser von etwa 1,6 bis 2,4 Kilometer hat.[2] Treffen zwei Männchen aufeinander, kann es zu Kämpfen kommen, wobei sich die Tiere manchmal mit den Eckzähnen tiefe Wunden reißen. Moschustiere stehen sich bei diesen Kämpfen nicht frontal gegenüber, wie dies bei Brunftkämpfen beispielsweise von Dam- oder Rotwild der Fall ist, sondern seitlich Schulter an Schulter.