Zum Inhalt springen

Rudi Carrell Show

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Fernsehsendung
Titel De Rudi Carrell Show
Produktionsland Niederlande
Originalsprache Niederländisch
Erscheinungsjahre 1961–1965, 1967–1968
Länge 45 Minuten
Ausstrahlungs­turnus Monatlich mit Sommerpause
Idee Rudi Carrell
Musik Orchester Frans de Kok
Premiere 10. Sep. 1961 auf VARA
Moderation Rudi Carrell
Fernsehsendung
Titel Die Rudi Carrell Show
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Genre Unterhaltungsshow
Erscheinungsjahre 1965–1967, 1968–1973
Länge 60 Minuten
Episoden 27
Ausstrahlungs­turnus Zweimonatlich mit Sommerpause
Idee Rudi Carrell
Regie Dieter Pröttel
Musik Cornelis op den Zieken
Premiere 25. Okt. 1965 auf Deutsches Fernsehen
Moderation Rudi Carrell

Die Rudi Carrell Show war die erste Fernsehshow-Reihe von Rudi Carrell. Jede Ausgabe spielte in einer einzigen Dekoration, die ein Thema darstellte, beispielsweise Bahnhof oder Marktplatz.

Die Show lief zunächst ab 1961 im niederländischen Fernsehen. 1965 folgte Carrell einem Ruf zu Radio Bremen und schuf fortan deutsche Ausgaben seiner Show, wobei er viele Themen und Ideen der niederländischen Ausgabe wieder aufgriff. Dies endete im Frühjahr 1967, dann folgten zur Saison 1967/68 erneut niederländische Ausgaben. Ab Dezember 1968 kam es wieder zu deutschen Folgen, bis die Show mit der Weihnachtsausgabe 1973 endete und von Am laufenden Band abgelöst wurde.

Niederländische Ausgabe

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Rudi Carrell mit Sandra Reemer und deren Bruder Franky in der Rudi Carrell Show, 1962

Nachdem Rudi Carrell zur Saison 1956/57 einen Festvertrag für das Radio der AVRO bekommen hatte, versuchte er auch im Fernsehen dieses Senders Fuß zu fassen. Alle Ideen, die er einreichte, wurden jedoch abgelehnt und es blieb bei vereinzelten Auftritten. Im Sommer 1959 wechselte er deswegen zur VARA, wo er sich aber zunächst ebenfalls mit einer Radiosendung begnügen musste. Erst seine Teilnahme beim Eurovision Song Contest 1960 änderte die Situation, er wurde vor dem Wettbewerb immens bekannt und machte sich hinterher über seinen vorletzten Platz lustig, was so gut ankam, dass ihn die Sender VARA und KRO eine Fernsehshow anboten. Es handelte sich zwar nur um eine Ausgabe, um die Reaktion des Publikums zu testen, diese fiel aber überaus positiv aus. Rudi bestritt sie mit seinem Vater André Carrell und bekam schließlich eine monatliche 45-minütige Show für die Saison 1961/62, die er vollkommen nach seinen eigenen Wünschen gestalten durfte.[1][2]

Idee

Über die Situation um 1960 befand Carrell:

„Damals wurde in den Fernsehshows ständig umgebaut, so als wollte man den Leuten beweisen, dass man das Geld für möglichst viele teure, aufwendige Dekorationen hat. Ich erkannte, dass ein gutes Showkonzept das nicht braucht, und hatte die Idee, meine ganze Rudi Carrell Show mit nur einer einzigen Deko pro Ausgabe zu machen. Das war die Idee.“

Rudi Carrell[3]

Der Gedanke dazu war Carrell schon Jahre zuvor beim Besuch des Lido in Paris gekommen, wo man mit einer Kulisse auskam und durch geringe Änderungen, etwa einen Wasserfall große Wirkung erzielte. Als Thema für die Kulisse wählte Carrell bevorzugt Orte, die jedermann vertraut sind und an denen sich viele Leute begegnen, beispielsweise ein Marktplatz oder ein Bahnhof.[3]

Eine weitere Besonderheit der Carrell-Show war, dass aktuelle Ereignisse erwähnt wurden, um den Live-Charakter zu betonen. Demgegenüber hätte man alle anderen Shows mit Ausnahme ihrer Weihnachtsausgaben in veränderter Reihenfolge ausstrahlen können, ohne dass die Zuschauer irritiert gewesen wären. Es galt nämlich eine vollkommene Trennung von aktueller Berichterstattung und Unterhaltung.[3] Carrell telefonierte etwa eine Stunde vor der Sendung mit der Nachrichtenredaktion des Senders und fragte nach aktuellen Nachrichten, um sie als Witz in die Sendung einzubauen.[4]

Carrells Grundsatz, lieber viele kleine Lacher als einen langen Sketch mit nur einem Lacher am Ende, galt besonders für die Rudi Carrell Show. Deswegen war es nichts Besonderes, wenn eine Figur, etwa ein Polizist auftrat und nur zwei Sätze sprach. Im Laufe der Zeit fanden sich feste Mitarbeiter, denen solch kleine Rollen nicht zu mickrig waren.[5]

Die erste Show

Die ersten beiden Shows waren noch aufgezeichnet, erst die dritte wurde live ausgestrahlt. Dies gab Carrell die Möglichkeit, sich in seinem Wohnort umzusehen:

„Ich bin von Fenster zu Fenster gelaufen und habe die Leute beobachtet, wie sie meine Show gesehen haben. Und ab zu habe ich ans Fenster geklopft und gerufen: Hallo, hier bin ich!“

Rudi Carrell[3]

Die erste Show lief am Freitag, den 10. September 1961 um 20.30 Uhr, und sie fand in einer „Liederfabrik“ statt, deren Direktor Carrell selber spielte. Carrell präsentierte die Sendung nicht nur, er machte auch bei vielen Liedern und Sketchen mit. Aufgrund des noch kleinen Budgets kamen fast ausschließlich einheimische Künstler vor, darunter einige, mit denen Carrell schon jahrelang zusammenarbeitete, darunter das Komikerduo De Mounties, bestehend aus Piet von Bamberger und Fred Plever, die beim Publikum so gut ankamen, dass sie sogleich für das gesamte erste Jahr verpflichtet wurden.

Besondere Ereignisse

Im Januar 1962 war das Thema Bahnstation an der Reihe, ein großes Eisenbahnunglück zu Beginn der Woche verlangte es aber, binnen vier Tagen ein neues Programm aufzustellen, was Carrell mit dem Thema Park dann auch mit großer Mühe gelang.[3]

Bei der letzten Ausgabe vor der Sommerpause 1962 wartete Carrell im Frack auf Gäste, es sagten aber alle ab. Um die Show nicht abbrechen zu müssen, wechselte er in einen gewöhnlichen Anzug und zeigte, wie es hinter den Kulissen aussieht. Dazu hatte Lesslie Roberts seine Mädchentanzgruppe The Lesslie Roberts Silhouettes mitgebracht, die für Fernsehauftritte besonders trainiert waren.[3]

Für die Weihnachtsshow 1962 hatte sich Carrell das Thema Alt-Amsterdam ausgedacht und eine verschneite Gracht mit einer großen Eisfläche nachgebaut. Alle Mitwirkenden, darunter die komplette Mannschaft von Feyenoord Rotterdam, mussten mit Schlittschuhen auftreten. Die Show wurde vorab aufgezeichnet und als sie zu Weihnachten ausgestrahlt wurde, lag nach frühlingshaftem Wetter im ganzen Land Schnee, was ihre Wirkung nochmals verstärkte. Es wurde Carrells Lieblingsfolge.

Die vorerst letzte Show in den Niederlanden vom Mai 1965 stellte das niederländische Parlament nur mit prominenten Frauen besetzt dar.

Lesslie Roberts

Bei der VARA hielt man es für eine gute Idee, Carrell einen Berater zur Seite zu stellen, mit dem er über die Show diskutieren sollte. Da es in den Niederlanden niemanden für die Art von Show, wie Carrell sie machte, gab, holte man Lesslie Roberts, Choreograph und ehemaliger Tänzer, der für große Shows der BBC Regie geführt hatte. Carrell hat von ihm viel über Fernsehauftritte erfahren und die Zusammenarbeit hielt bis Ende der 1980er Jahre an, als sich Lesslie aus Altersgründen zurückzog.[3]

Internationale Gäste
Gerhard Wendland in der Rudi Carrell Show, 1963

Mit zunehmender Popularität der Show gelang es auch internationale Gäste zu bekommen, beginnend mit Cliff Richard, wozu Carrell eigens nach London geflogen war, um ihn zum Auftritt zu überreden. Er sang drei Lieder und spielte mit Carrell in einem Sketch, was er auch mit vielen weiteren Stargästen tat und ebenfalls eine Besonderheit der Carrell-Show darstellte. Weitere ausländische Gäste waren The Lords und Gerhard Wendland. Es misslang Carrell aber, Heidi Brühl, Peter Alexander, Frank Sinatra oder Helen Shapiro einzuladen.[3]

Regie

Mit seinen Regisseuren tat sich Carrell von Anfang an schwer, da er alles selber besser machen zu können glaubte. Bereits im Abspann der dritten Ausgabe hieß es Zusammenstellung, Texte und Regie: Rudi Carrell und die eigentlichen Regisseure waren nur unter Kameraregie zu finden. Doch auch mit dieser Regelung hielten die Regisseure der VARA nicht lange durch, so dass man Carrell gestattete, seinen eigenen Regisseur zu suchen. Er nahm Dick Harris, den er bereits seit 1953 kannte:

„Dick ist ein Showbiz-Wahnsinniger. Ich habe noch nie einen Menschen kennengelernt, der so dermaßen in das Showbiz vernarrt war wie Dick Harris. Er war alle vierzehn Tage in Paris und hat sich die neuen Shows angeschaut, mit Edith Piaf, mit Yves Montand, ist ständig nach Hamburg oder nach London geflogen, um sich das neue Programm von Bob Hope, ein Musical oder ein Varitéprogramm anzuschauen. Er kannte einfach alles, was gerade angesagt war, und wusste genau, was gut ist und was nicht. Genau so einen Mann brauchte ich.“

Rudi Carrell[3]

Harris absolvierte auf Wunsch der VARA einen Fernsehregie-Kurs und wurde ab Herbst 1962 unter Kameraregie genannt. Die Zusammenarbeit gestaltete sich aber ebenfalls als schwierig.[3]

Auszeichnung

Für seine Show bekam Carrell 1963 die Zilveren Nipkowschijf (Silberne Nipkow-Scheibe), benannt nach dem Fernsehpionier Paul Nipkow, den die Gesellschaft der niederländischen Fernsehkritiker seit dem Vorjahr verlieh.

Pause

Im Dezember 1962 überraschte Carrell mit der Ankündigung, sich mit Beginn der nächsten Sommerpause vom Fernsehen verabschieden zu wollen. Zunächst kündigte er keine Rückkehr zum Fernsehen an, zahlreiche empörte Zuschauer ließen ihn dann aber ergänzen, er wolle nur ein Jahr pausieren, da er schon lange keinen Urlaub mehr gemacht habe, wofür die Presse Verständnis hatte, nicht jedoch die Zuschauer. In der Pause bereitete er De Robinson Crusoë Show als seinen Beitrag für die Rose d’Or 1964 in Montreux vor, der schließlich die Silberne Rose gewann und auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Deutsche Ausgabe

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Festival Rose d’Or in Montreux sprach Mike Leckebusch den teilnehmenden Rudi Carrell an, ob dieser sich eine Show bei Radio Bremen vorstellen könne. Leckebusch gefiel, mit wie wenig Aufwand Carrell ein großer Effekt gelang. Radio Bremen war ein Sender mit äußerst geringem Budget, weswegen ihm eine kostengünstige Show entgegenkam. Carrell sah sich Bremen an:

„Ich mochte die Stadt einfach auf Anhieb. Sie hat mich sehr an Groningen erinnert, wo ich mich immer sehr wohl gefühlt habe. Alles war so holländisch gemütlich. Und auch die Leute in Bremen mochte ich auf Anhieb. Für so eine kleine Show wie die Rudi Carrell Show war Bremen genau die richtige Stadt.“

Rudi Carrell

Man einigte sich auf alle zwei Monate eine Show für das Gemeinschaftsprogramm der ARD von Oktober 1965 bis Mai 1967 und Carrell reiste ausgiebig durch Deutschland, um das Land kennenzulernen. Dabei genoss er es, unerkannt zu bleiben, und gab sich als Vertreter für holländischen Käse aus, wenn er nach seinem Beruf gefragt wurde.