Tablette
Tabletten (von lat. tabuletta „Täfelchen“) sind portionierte und unter Druck zusammengepresste Pulver, Granulate oder Substrate. Sie werden auf Tablettenpressen gefertigt.
Tabletten als Arzneiform bestehen aus einzeldosierten Pulvern oder Granulaten und werden zum Teil mittels pharmazeutischer Technologie weiteren Prozeduren zugeführt, um ihre Auflöseeigenschaften zu beeinflussen. Tabletten zur arzneilichen Verwendung zählen zu den Arzneimitteln, in einer sonstigen gesundheitsbezogenen Verwendung sind sie den Medizinprodukten oder Nahrungsergänzungsmitteln zuzurechnen. Unter den Arzneiformen nehmen Tabletten mit einem Anteil von nahezu 50 % eine besondere Stellung ein.
Sehr viele Wirkstoffe können tablettiert werden – einige direkt, das heißt ohne weitere Verarbeitung des Pulvers oder Pulvergemisches (Direkttablettierung), die meisten jedoch über die Zwischenstufe des Granulats. In aller Regel werden neben dem eigentlichen Wirkstoff zusätzliche Hilfsstoffe benötigt.
Tabletten können unterschiedliche Formen aufweisen. Bei Tabletten zur Einnahme ist besonders die bikonvexe Form (rund, oben und unten gewölbt) verbreitet.
Ähnliche feste Präparateformen mit vermischten Träger- und Hilfsstoffen wie Tabletten sind Komprimetten, Pellets, Arzneimittelkapseln, Geleekapseln und Kapletten.
Tabletten außerhalb der medizinischen und sonstigen gesundheitsbezogenen Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch außerhalb der Medizin gibt es zahlreiche Anwendungen für Tabletten:
- Brennstofftabletten (sowohl bei der Campingausrüstung als auch in der Kerntechnik)
- Brausetabletten (ohne Wirkstoff, nur mit Farb-, Aroma- und Süßstoffen)
- Chlortabletten (für Schwimmbäder)
- Kohletabletten bzw. Kohle-Compretten (mit Aktivkohle zur Reinigung von Flüssigkeiten und Gasen; zur Geruchsbindung)
- Reinigungstabletten (für Zahnprothesen, Geschirrspül- und Waschmaschinen, Kaffeeautomaten, Entkalkungstabletten; mit Reinigungsmitteln)
- Futtertabletten (mit Futtermittel)
- Düngetabletten/-stäbchen
- Sauerstofftabletten (zur Teichwasserpflege und für Aquarien)
Verfahrenstechnisch erfolgt die Herstellung all dieser verschiedenen Tabletten durch Komprimieren in Tablettenpressen (Tablettierung).
Geschichte der Tablette als Arzneiform
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Tablette wurde Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Sie gilt als „eine der gewaltigsten Umwälzungen, die der Apothekerstand je erlebt hat“.[1] 1843 beantragte der Engländer William Brockedon (1787–1854) das Patent für diese und gilt somit als Erfinder. Dabei gab er ihnen anfangs den Namen „shaping pills“. Die ersten hergestellten Präparate bestanden aus Natron, Natriumchlorid und Kaliumchlorid und wurden bald „compress pills“ genannt. 1862 wurde die Bezeichnung „tablet“ eingeführt, die für Komprimate des Brockedonschen Typs verwendet wurde, wobei bereits früher Pastillen derartig bezeichnet wurden. 1883 vermarktete die Firma Burroughs Wellcome & Company den Begriff der Tablette für kaufmännische Zwecke. Dieser Terminus war ein geschützter Warenname für Arzneimittel mit runder, bikonkaver Oberfläche. Daraufhin ließ sich die Firma die Bezeichnung „tabloid“ schützen. Dies war eine Verschmelzung von Tablette und Alkaloid und bezieht sich auf Komprimate mit hochwirksamen Arzneistoffen in konzentrierter Form. Die Technologie zur Herstellung der Tablette schaute sich Brockedon bei der Brikettzubereitung in Ziegel- und Tonfabriken ab.
In Deutschland hingegen führte Isidor Rosenthal 1874 die Tablettenproduktion ein. Dabei wurden erstmals nur Tabletten für Organtherapeutika produziert. Mit der sog. Tablettenverordnung von 1898 versuchte man die Herstellung in der Apotheke zu vereinfachen. Allerdings wurde bereits am Anfang der 1890er Jahre im großen Maßstab mit der industriellen Produktion begonnen.