Theater Brett
Das Theater Brett ist ein Theater in Wien (seit 1978 als Freie Gruppe, von 1984 bis 2018 mit eigenem Haus), das sich besonders um die Vernetzung der tschechischen und mitteleuropäischen mit der Wiener Theaterszene verdient gemacht hat, wofür es mit dem CENTROPE-Preis ausgezeichnet wurde.[1] Über ein Drittel der bisher etwa 150 Produktionen des Theaters waren Ur- und Erstaufführungen, hauptsächlich von Stücken tschechischer und österreichischer Autoren.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ersten Jahre als freie Gruppe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1978 wurde in Wien der Verein Theater Brett – Compagnie Brettschneider als freie Theatergruppe durch die tschechoslowakische Schauspielerin Nika Brettschneider (1951–2018) und ihren Ehemann, den Theatermacher und Philosophen Ludvík Kavín (1943–2025), gegründet.[2] Beide waren nach Unterzeichnung der Charta 77 aus der Tschechoslowakei ausgewiesen worden und hatten daraufhin in Österreich aufgrund einer diplomatischen Initiative von Bundeskanzler Bruno Kreisky politisches Asyl und in weiterer Folge auch die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten. Die erste Produktion des Ensembles war Das Licht der Welt von Jiří Kolář. Bis 1983 wurden an wechselnden Spielstätten in Wien insgesamt 19 verschiedene Inszenierungen zur Aufführung gebracht, teils als Duo- oder Soloperformance der Theatergründer, teils mit größerer Besetzung. Zudem fanden Tourneen und Gastspiele in vielen Ländern Europas sowie den USA statt. 1982 wurde Co-Theaterleiterin Nika Brettschneider für ihre Arbeit mit dem Förderungspreis der Kainz-Medaille ausgezeichnet.
Eröffnung des eigenen Hauses 1983
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ab 1983 wurde die ehemalige Möbelfabrik Ludwig in der Münzwardeingasse 2 in Wien-Mariahilf für Theaterzwecke adaptiert und am 24. Jänner 1984 unter dem Namen Theater Brett als fixe Spielstätte des Ensembles eröffnet, mit der Inszenierung Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens nach Jan Amos Comenius. Der Theatersaal fasst bei Standardbestuhlung 99 Besucher und kann sowohl als klassische Guckkastenbühne bespielt, wie auch, dank variabler Tribünen, in unterschiedlichsten Formen als Raumbühne genutzt werden.
Seit Eröffnung des eigenen Theaters wurden dort durchschnittlich vier bis fünf Produktionen im Jahr herausgebracht, die üblicherweise en suite gespielt wurden. Weiterhin fanden darüber hinaus Gastspiele und Tourneen im In- und Ausland statt. Für die Regie waren oft die Intendanten Brettschneider oder Kavin persönlich zuständig, ab 1995 kam als dritter Hausregisseur Christoph Prückner hinzu. Darüber hinaus arbeitete man regelmäßig mit Gastregisseuren vor allem aus Tschechien, der Slowakei und anderen mittel- und osteuropäischen Ländern, aber auch aus Österreich zusammen – darunter Arnošt Goldflam, Jaroslav Gillar, Petr Štindl, Vladimír Kelbl, Jiří Honzírek (alle Tschechien), Martin Porubjak (Slowakei), Milan Vukotic (Serbien), Barbara Novakovic (Slowenien), András Léner (Ungarn), Kitty Kino, Peter Hochegger, Lies Kató, Christine Wipplinger, Angelica Schütz (alle Österreich).
Die Situation seit der Theaterreform 1994/95
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von einer Theaterreform 1994/95 unter Kulturstadträtin Ursula Pasterk, die unter anderem beinhaltete, einer Reihe von Wiener Theatern die Subventionen zu streichen, war auch das Theater Brett betroffen. Im Unterschied zu den meisten anderen dieser Bühnen überstand das Brett die folgenden Jahre des finanziellen Engpasses, ohne schließen zu müssen, vor allem dadurch, dass in dieser Zeit der Spielplan fast ausschließlich mit Monodramen bestritten wurde (darunter die österreichische Erstaufführung von Thomas Brussigs Helden wie wir). Nach Amtsantritt von Pasterks Nachfolger im Kulturamt Peter Marboe erhielt das Theater Brett erneut Subventionen und konnte zu einem breiter gefächerten Repertoire mit größerem Ensemble zurückkehren.
Eine weitere Wiener Theaterreform gab es ab 2003 unter Andreas Mailath-Pokorny. Erneut wurden dem Theater Brett die finanziellen Zuwendungen radikal gekürzt. Dennoch hielt das Theater den Spielbetrieb weiterhin aufrecht, wenn auch teils mit reduzierten Mitteln (kleinere Ensembles oder Zweipersonenstücke), außerdem wurde das Haus vermehrt für Gastproduktionen anderer Ensembles geöffnet.