Twitch
| Twitch Interactive, Inc. | |
| Live-Streaming-Portal für Videospiele | |
| Sprachen | 28, inkl. Deutsch und Englisch |
|---|---|
| Sitz | San Francisco, Kalifornien, |
| Gründer | Justin Kan |
| Betreiber | Amazon.com, Inc. |
| Registrierung | optional – erforderlich, um Kanälen zu folgen, Kommentare zu verfassen und selbst live zu streamen |
| Online | seit 6. Juni 2011 |
| (aktualisiert 17. März 2023) | |
| https://www.twitch.tv/ | |
Twitch, auch Twitch.tv, ist ein US-amerikanisches Live-Streaming-Videoportal, das vorrangig zur Übertragung von Videospielen und zum Interagieren mit Zuschauern im Chat genutzt wird.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als das von Justin Kan gegründete Streamingportal Justin.tv im Jahr 2010 ein starkes Wachstum insbesondere der Videospiel-Kategorie verzeichnete,[1] erstellten die Betreiber das Schwesterportal Twitch.tv ausschließlich zur Videospiel- und E-Sport-Übertragung.[2] Die Website ging im Juni 2011 in einer Beta-Version online.
Am 1. Mai 2012 gewann Twitch einen Webby Award mit dem Titel Webby People’s Voice Award in der Kategorie Videospiele.[3]
2013 verzeichnete Twitch monatlich mehr als 45 Millionen Zuschauer auf 6 Millionen Streamingkanälen.[4] Daher wurde die Betreibergesellschaft im Februar 2014 von Justin.tv Inc. in Twitch Interactive Inc. umbenannt.[5]
2014 übernahm Amazon das Unternehmen für 970 Millionen US-Dollar.[6]
Twitch wird auch von diversen Spartenprogrammen genutzt, um über Videospiel- und E-Sport-Themen zu berichten. So strahlt der deutschsprachige Sender ESL TV sein Programm auf Twitch aus.
Daten des US-Unternehmens DeepField zufolge erzeugte Twitch während der Tagesspitzenzeiten im Februar 2014 etwa 1,8 % des durch Unternehmen erzeugten Internet-Datenverkehrs der Vereinigten Staaten. Damit liegt der Dienst an vierter Stelle, hinter Netflix, Google und Apple.[7]
Anfang 2014 veröffentlichte Twitch viele Statistiken über das vorangegangene Jahr.[4][8] Unter anderem wurde bekannt, dass von den 45 Millionen Zuschauern jeden Monat 12 Milliarden Minuten Twitch-Inhalte gesehen wurden. Das war eine Verdopplung im Vergleich zu 2012. Das Durchschnittsalter der Zuschauer beträgt 21 Jahre.
Anlässlich des 73. Geburtstags des Malers Bob Ross startete Twitch am 29. Oktober 2015 das Format Creative mit einem neuntägigen Marathon aller Folgen von The Joy of Painting. Das Format sollte Künstler dazu anregen, ihre Ideen in Echtzeit ins Netz zu übertragen.[9][10]
Am 17. August 2016 übernahm Twitch den Dienst Curse Gaming. Dessen wichtigste Dienste Gamepedia und der Curse Client, eine Verwaltungssoftware für Spielmodifikationen, wurden anschließend vollständig in die Marke Twitch integriert.
Am 30. September 2016 verkündete Twitch den Dienst Twitch Prime für Amazon-Prime-Kunden mit einem aktiven Abonnement. Der Dienst enthält ausgewählte Gratisspiele, Spielinhalte („Game Loot“) und die Möglichkeit, jeden Monat einen beliebigen Streamer gratis zu abonnieren.[11] Am Anfang war auch das werbefreie Schauen enthalten, das aber zu einem späteren Zeitpunkt wieder entfernt wurde.[12]
Am 15. Dezember 2016 führte Twitch die Kategorie IRL („In Real Life“) ein, die es erlaubt, mit dem Publikum Geschehnisse aus dem eigenen Leben zu teilen und Diskussionen zu führen.[13] Hierbei ist nicht zwingend ein Bezug zu Videospielen erforderlich, solange aktiv auf die Zuschauer eingegangen wird.
Twitch zeigt zwar überwiegend von Mitgliedern erstellte Inhalte. Das Unternehmen überträgt allerdings auch professionell produzierte Streams großer E-Sport-Veranstalter. Für die Streamingrechte der Overwatch League soll Twitch Anfang 2018 Medienberichten zufolge 90 Millionen US-Dollar gezahlt haben.
Im Dezember 2018 verkaufte Twitch das Online-Spieleportal Curse Media an Wikia.[14]
Die Seite stand 2019 weltweit auf dem 26. Alexa-Rang. In Deutschland steht sie auf Platz 23. Ein Großteil der Nutzer kommt aus den Vereinigten Staaten.[15]
Am 9. Oktober 2019 übertrug der Täter des Anschlags in Halle (Saale) seine Tat live über Twitch.[16]
Am 6. Oktober 2021 wurden von einer anonymen Hackergruppe mehr als 250 GB sensible Daten veröffentlicht. Diese umfassen unter anderem den Twitch-Quellcode, Accountdaten, Auszahlungen an Streamer sowie Hinweise auf einen unveröffentlichten Konkurrenzdienst zur Spieledistributionsplattform Steam.[17]
In den 2020er-Jahren richteten verschiedene öffentlich-rechtliche Sender Kanäle auf Twitch ein.[18]
Inhalt und Nutzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jeder Nutzer mit einem Benutzerkonto kann einen eigenen Kanal erstellen und darauf Gameplay von diversen Spielen übertragen. Zur Übertragung wird eine Streaming-Software wie die Programme XSplit, Stream Labs oder Open Broadcaster Software benötigt.[19] Die PlayStation 4 und die Xbox One benötigen keine zusätzliche Software.
Zu den meistgezeigten Spielen gehören Valorant, Fortnite, Call Of Duty: Warzone, Among Us, League of Legends, Overwatch, Dota 2, StarCraft II, World of Warcraft, Counter-Strike: Global Offensive, Hearthstone: Heroes of Warcraft sowie Minecraft. Auf Twitch werden auch viele große E-Sport-Veranstaltungen übertragen. Dazu gehören die League of Legends World Championships und die League of Legends Championship Series, das Dota-2-Turnier The International, die StarCraft II World Championship Series, die weltgrößte LAN-Party DreamHack und die Intel Extreme Masters.
2024 verzeichnet die Sparte Just Chatting im Durchschnitt den größten Anteil an Zusehern im Vergleich zu anderen Einzelspielen. So verzeichnete im Mai 2024 die Kategorie Just Chatting rund 13 Prozent aller durchschnittlicher Zuseher. An Nummer 2 stand Grand Theft Auto V mit rund acht Prozent.[20] In der Kategorie Just Chatting werden Inhalte angeboten, die nicht direkt mit Videospielinhalten in Verbindung stehen. Darunter können Diskussionen zu Lifestyle, Politik oder technische Streams, wie der Live-Zusammenbau von Gaming PCs[21], fallen. Kochinhalte oder Reaction-Videos werden ebenfalls dieser Sparte zugerechnet.
Twitch besitzt eine Vielzahl von Emoticons, speziell „Emotes“ genannt. Es gibt frei verfügbare Emotes für alle Benutzer, Emotes für Turbo-Nutzer, Emotes für Twitch-Prime-Nutzer sowie Emotes für Benutzer, die einen Twitch-Partner oder Affiliate abonniert haben.[22] Streamer mit Twitch-Partner-Status schalten mehr „Emote-Slots“ frei (je nachdem wie viele Abonnenten sie gewinnen, bis zu 60 Emotes pro Kanal).[23]
Nachdem DJ-Streams aufgrund der geschlossenen Clubs während der Corona-Pandemie einen großen Aufschwung erhalten hatten, war die rechtliche Situation derartiger Streams, also des Streamens urheberrechtlich geschützter Musik, lange Zeit ungeklärt und wurde lediglich toleriert. Im Sommer 2024 kündigte Twitch nach jahrelangen, diesbezüglichen Gesprächen mit Musiklabels ein eigenes DJ-Programm an, das das Streamen von Musik legalisieren und rechtlich absichern sollte.[24] Die Labels und dadurch auch die Künstler sollen in Zukunft eine Vergütung aus den Einnahmen der Streamer erhalten. Zahlreiche DJs kündigten daraufhin an, die Plattform verlassen zu wollen. Kritisiert wurde, dass das Programm lediglich Lieder aus einem vorgegebenen Katalog umfassen würde, was zur Folge habe, dass hauptsächlich der vor allem durch Majorlabels abgedeckte musikalische Mainstream verwendbar sei, während viele DJs insbesondere Musik aus der Independent- und Undergroundszene spielen. Ebenfalls kritisiert wurde das Verbot, Pre-Releases zu spielen, was jedoch bei DJ-Sets gängige Praxis ist, da DJs oftmals Platten bereits vor dem offiziellen Release erhalten, um den Tracks schon vor dem Verkaufsstart Bekanntheit zu verleihen. Weitere Kritikpunkte waren die zunächst in ihrer Höhe unklare Vergütung der Labels, das Verbot, VODs anzufertigen, sowie die Maßgabe seitens Twitch, bei einer Teilnahme am DJ-Programm für etwaige weitere Kanalinhalte einen zusätzlichen Kanal einzurichten.[25] Außerdem steht die Befürchtung im Raum, dass lizenz- und urheberrechtliche Verstöße in Zukunft deutlich schärfer verfolgt und geahndet werden könnten, als es bisher in der Grauzonenpraxis unzähliger DJ-Streams der Fall war. Unklar ist derzeit noch, ob die Hersteller gängiger DJ-Software wie Recordbox (Pioneer) oder Serato (Rane) am Programm teilnehmen. Recordbox soll Berichten zufolge derzeit kein Interesse an einer Zusammenarbeit haben.[26]
Partnerprogramm
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Juli 2011 eröffnete Twitch ein Partnerprogramm, das dem von YouTube ähnelt.[27] Für eine Partnerschaft müssen Streamer regelmäßig streamen und laut Twitch eine „bestehende und stetig wachsende Zuschauer-Community“ haben, eine genaue Zuschauerzahl wird nicht genannt.[28] Diese Partner bekommen die Möglichkeit, Werbeanzeigen in ihre Streams einzublenden. Dafür erhält der Partner einen Teil der Werbeeinnahmen, die so zustande kommen. Außerdem können Zuschauer in Deutschland die Kanäle von Partnern für 3,99 Euro, 7,99 Euro oder 19,99 Euro pro Monat abonnieren (bis Ende Juli 2021: 4,99 Euro, 9,99 Euro oder 24,99 Euro pro Monat).[29][30] Der Streamer bekommt hierbei einen Teil des Gewinnes ab. Im Juni 2016 wurde mit Cheering eine weitere Möglichkeit eingeführt, Streamer zu unterstützen.
